Von Geschuppten, Schelmen, Abenteurern und Piraten

Meine große Fantasybücherphase scheint vorbei zu sein, dennoch lese ich ab und zu mal wieder, wenn ich Zeit habe. Ich schreibe mal kurz über das, was mir an DSA-Büchern seit ca. Ende 2002 in die Hände geriet:

  1. Hans-Joachim Alpers: Die Piraten des Südmeeres
    drei Romane in einem Band, enthält:

    • Hinter der eisernen Maske
    • Flucht aus Ghurenia
    • Das letzte Duell
  2. Alexander Huiskes: Der geheime Pfad
  3. Gun-Britt Tödter: Koboldgeschenk
  4. Karl-Heinz Witzko: Westwärts, Geschuppte!

Die Südmeer-Trilogie fand ich im Nachhinein am schwächsten. Sehr derber Tonfall, der wohl „piratig“ wirken soll, gleichzeitig aber etwas zu verklärend-romantische Elemente (edler Held steigt von der Gosse auf, Freiheit auf See), die dazu nicht so recht passen. Das Ende verrate ich nicht – ich fand’s aber eher enttäuschend. Fazit: Beim Thema „Piraten“ denke ich wohl mehr an „Monkey Island“ als an DSA-Bücher…

Der geheime Pfad“ hat sehr viele negative Bewertungen bei amazon.de bekommen, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Der Prolog sorgt für eine interessante Ausgangssituation und enthält für meinen Geschmack genügend Härte, damit der Rest des Buches etwas sanfter ausfallen kann. Endlich mal eine nette Geschichte mit humorvollen Zwischenteilen und einem (fast) normalen Jüngling statt der üblichen Hau-drauf-Helden. Vielleicht ist es mit diesem Buch wie mit manchen DSA-Abenteuern: Für einfache Gemüter, die im wesentlichen nach der Menge des Schwertfutters urteilen, welches dem Protagonisten über den Weg läuft, fällt die Bilanz etwas mager aus. Für alle anderen lohnt sich ein Blick.

Koboldgeschenk“ habe ich für 2,50 EUR auf dem Wühltisch im Supermarkt entdeckt (welch Ironie) und zugeschlagen. Vielleicht das DSA-typischste Buch von den vieren: Es gibt eine halbwegs normale Heldengruppe (nur ohne notorische Schwertschwinger), deren Mitglieder sich zudem typusgerecht verhalten, dabei jedoch noch genug Persönlichkeit besitzen. Besonders gefallen hat mir, daß man erahnen konnte, welchen Schelmenzauber die Hauptheldin wohl gerade verwendet hat… ach ja, offensichtlich kann man rahjagefällige Handlungen auch etwas sanfter beschreiben als in den Südmeer-Romanen. Die Nähe zu den Schwarzen Landen und die übermächtige Widersacherin bieten mir genügend Spannung; die Charaktere der Helden machen die Sache interessant. Würde ich vielleicht von den vier Büchern am ehesten einem Einsteiger empfehlen.

Westwärts, Geschuppte!“ gilt in meinem DSA-Bekanntenkreis zurecht als Kultbuch und grandiose Parodie der üblichen Fantasykost. Wer Aventurien nicht kennt, wird ziemlich auf dem Schlauch stehen. Wie soll man auch eine Persiflage ohne Kenntnis des Originals voll genießen können? Veteranen, die der ewig gleichen Handlungsmuster überdrüssig sind, kommen jedoch voll auf ihre Kosten. Wenn eine Gruppe junger aufrecht gehender Krokodile auf die Menschenzivilisation trifft, bleibt kein Auge trocken. Völlig gemäß ihrer eigenen Kultur und Wertvorstellungen handelnd, geraten die Möchtegernhelden unbeabsichtigt in immer größere Abenteuer und lösen diese stets auf äußerst unkonventionelle Weise. Wem Rollenspiel zu dumpf und langweilig geworden ist, der soll zum Abschied dieses Buch lesen und wird vielleicht wieder bekehrt. Unterm Strich bleibt ein gewagter, aber gelungener Roman übrig, der der altbacken-klischeehaften Fantasywelt das Fürchten lehrt.

Etwas seltsam muten die Titelillustrationen der drei Einzelbücher an, die alle nicht das Geringste mit dem eigentlichen Inhalt zu tun haben. Soll da jemand mit Absicht vom Lesen abgehalten werden?

(ursprünglich erschienen im Larian-Forum)

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3 Antworten zu Von Geschuppten, Schelmen, Abenteurern und Piraten

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