Wer zu lange um Dämonen buhlt…

Alexander Lohmann: Die Mühle der Tränen

Eine elfische Bardin, eine Gauklerin und ein Magiedilettant, die sich allesamt ihren Lebensunterhalt mit Musik und Kunststückchen auf Märkten und in Kneipen verdienen, haben bei einem niedrigen Adligen in Wehrheim ihr Winterquartier gefunden. Als ein Geisteskranker aus der Obhut der benachbarten Noioniten entflieht und ein ominöser Nebel den Gastgeber niederstreckt, siegt die Neugierde über die Vernunft: Die drei beginnen teils mehr, teils weniger zögerlich mit eigenen Nachforschungen – ungeachtet dessen, daß sich die Bannstrahler für den Fall zu interessieren scheinen und Dämonenpaktierer in der eigentlich recht sicheren Stadt Wehrheim ihr finsteres Spiel treiben sollen…

Das Buch bietet eine einfache Geschichte, die sehr direkt erzählt wird und somit wenig Platz für Spekulationen läßt. Schon mit minimalen chemischen Kenntnissen dürfte schnell klar werden, wie sich die Flucht abgespielt hat und warum der Tatort so aussieht. Auch den Trick mit der Tür im Keller durchschaut der Leser, welcher klassische Kriminalbücher oder -filme kennt. Zudem weist der Prolog schon eindeutig darauf hin, worum es in dem Abenteuer geht. Es handelt sich also insgesamt um einen recht schnörkellosen Roman, bei dem man den Helden auf weiten Strecken mit seinem Wissen voraus ist.

Reizvoll ist natürlich, daß diesmal eine relativ schwache Truppe unterwegs ist (so ziemlich das Gegenteil von „Der Letzte wird Inquisitor“), die als lichtscheues Gesindel auch ohne Herumschnüffeln öfters in Schwierigkeiten kommen würde. Angeblich soll man ja in Wehrheim schon Elfen mit den Ohren an Scheunentore genagelt haben (siehe „Sternenschweif“). Andererseits ist durch die Widmung am Anfang klar, daß zumindest die Elfe das Abenteuer überleben wird, was wiederum ein wenig Spannung nimmt.

Die mit Text aufgeführten Lieder der Bardin finde ich nicht besonders beeindruckend, auch wenn die Idee, eine Großstadtlegende zu verarbeiten, durchaus ungewöhnlich ist. Die Bannstrahler sind ein wenig zu einfach dargestellt. Hier hätte der Autor ein wenig mehr mit den Klischees brechen können. Die Tatsache, daß sich das Böse oft gegen sich selbst richtig, reicht mir hingegen als Erklärung dafür, wie ein paar dahergelaufene Abenteurer einen kompletten Dämonendienerring zu Fall bringen können. Das Ende bleibt leicht offen, aber immerhin findet die Suche nach dem Entflohenen ihren Abschluß.

Während die Haupthandlung recht schnell ersichtig wird, bleiben einige Detailfragen ungeklärt, etwa: Warum fand der Vorfall ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt statt? Was genau ist dem Koch passiert (bis auf die Alpträume)?

Der Titel des Buches bezieht sich auf die Folgen des Dämonenpaktes, d.h. was einen im Jenseits erwartet. Das Titelbild hingegen hat mal wieder nichts mit der Geschichte zu tun.

Alexander Lohmanns „Die Mühle der Tränen“ ist in Ordnung, aber keine Pflichtlektüre. Inzwischen habe ich jedoch ein DSA-Buch verschlungen, welches eine Besprechung mehr als verdient hat… also seid gespannt!

(ursprünglich erschienen im Larian-Forum)

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