Menschen und Trolle

So langsam schaffe ich es, den Bücherberg abzubauen, der sich seit Weihnachten in meinem Regal stapelt. In der dazugehörigen Reihe von Rezensionen, welche ich beabsichtige zu schreiben, geht es zunächst um das Erstlingswerk „Die Trolle“ von Christoph Hardebusch.

Das Land Wlachkis ist von mehreren Gebirgszügen so eingeschlossen, dass es nur wenige Zugänge von außerhalb gibt. Dennoch wurde das Land der Wlachaken vor einigen Jahrhunderten erobert – und zwar von den Masriden und ihren Helfern, den Szarken. Zwischen den Völkern der Menschen herrscht erbitterte Feindschaft.

Einige der Bewohner hören jedoch nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten (hier bitte die entsprechende vollständige Asterix-Einleitung dazudenken). Der junge Sten cal Dabran, Kämpfer und eine Identifikationsfigur der Rebellen, hat einen wichtigen Auftrag zu erfüllen, steckt aber in einem Käfig im Wald. Gerettet wird er ausgerechnet von fünf Trollen, die ihrerseits eine Mission zu erledigen haben. Wie in einem Buddy-Movie raufen sich die unterschiedlichen Charaktere zusammen, um eine gemeinsame Reise anzutreten. In einem zunächst unabhängigen Handlungsfaden tritt Sargan auf, ein Spion aus dem Dyrischen Imperium jenseits der Berge, selbstverständlich ebenfalls mit einer Aufgabe. Außerdem spielen noch diverse Zwerge einerseits und menschliche Geiseln in der Burg eines Unterdrückers andererseits eine Rolle. Ganz am Rande tauchen auch Elfen auf.

Im Konflikt zwischen den verschiedenen Menschengruppen ist Religion ein wichtiges Element. Während die Wlachaken ihren Naturglauben bewahren wollen, möchten die Masriden ihre monotheistische Religion durchdrücken. Die Verehrer des Sonnengottes (dessen Wunder allerdings weit weniger sympathisch wirken als die eines Praios‘ in Aventurien) gehen dabei energisch gegen die Geistanbeter vor.

In den Namen der Charaktere tauchen Sonderzeichen auf, die in Alphabeten verschiedener osteuropäischer Sprachen verwendet werden. Eine interessante Idee, die deutlich mehr Exotik erzeugt als die üblichen Namen nach englischem Muster.

In anderen Rezensionen wurde bemängelt, der Titel sei irreführend, da die Trolle nur Nebenrollen übernehmen und die Menschen weitaus zahlreicher vertreten seien. Das ist aber besser so, da die Trolle als unergründliche Wesen dargestellt werden und als Haupthelden zwangsläufig viel zu menschlich gewirkt hätten.

Das Buch bietet einen recht einfachen Plot, der entfernt an „Krieg der Sterne“ erinnert. Andererseits sind andere Bücher der „Wir schlachten den Rummel um die Tolkien-Verfilmungen aus“- Serie wie „Die Rache der Zwerge“, „Der Krieg der Zwerge“ oder „Die Elfen“ entweder zu bombastisch geraten oder verhaspeln sich in der Handlung.

Es kommen die üblichen simplen Charaktere vor (guter Held, bester Freund, böser Obermotz usw.) und die ebenfalls typischen Elemente wie die schwierige Romanze trotz Heldenmut und die Konflikte der Helden, obwohl es doch eigentlich so einfach sein könnte. Es erfolgt eine eindeutige Unterteilung in gute und böse (Rebellen und Besatzer). Die einzige Variation besteht darin, dass diesmal die Zwerge böse und die Trolle gut sind.

Das Szenario ist also bekannt. Daher fallen einige unlogische Stellen oder fehlende Erklärungen umso mehr auf:

Woher kommen die Masriden? Es verwundert, dass sie keine Unterstützung von außerhalb bekommen oder gar Kontakte zur ursprünglichen Heimat haben. Nicht einmal die übliche Erklärung „die Bösen haben ihr einstiges Land vernichtet“ wird benutzt.

Wieso hat in über 200 Jahren keine Vermischung der Bevölkerung stattgefunden? Genau darin kann eine Taktik von Besatzern bestehen, um Ruhe im Land herzustellen. Die Aufstiegsmöglichkeiten, welche eine Heirat bietet, dürfte genügend Opportunisten anlocken.

Einerseits werden immer wieder die Härte der Gegner und der tief verwurzelte Hass geschildert. Andererseits zeigen die Helden gegenüber ihren Feinden menschliche Regungen und lassen Milde walten. Das liest man zwar gerne, ist aber unrealistisch. Insbesondere weil sich die gegnerischen Parteien im Glauben unversöhnlich gegenüberstehen, wäre doch zu erwarten, dass nach einem Sieg der bisher unterdrückten Partei Beschädigungen an Kirchen und Jagd auf die Priester der anderen Seite an der Tagesordnung sind. Krieg und Vertreibung verhärten, machen gnadenlos. Gut demonstriert wird das im Fantasygenre zum Beispiel von dem Charakter Will Scarlett aus der Robin-Hood-Serie der 1980er Jahre.

Der Hauptheld Sten hat trotz aller schrecklichen Erlebnisse seinen Idealismus bewahrt. Viel eher passt jedoch die nüchterne, ausgewogene Sicht von eines enttäuschten, verbitterten Faramir in „Herr der Ringe“.

In dem Klappentext steht, Hardebusch sei ein Werbetexter. Vielleicht hat mich das beim Lesen beeinflusst und mich besonders nach Fehlern suchen lassen. Den Fotos auf seinem Internetauftritt nach zu urteilen, handelt es sich bei dem Autor jedoch um den typischen Fantasy- und Metalfan.

Trotz ihrer Wildheit empfindet man Sympathie für die Trolle. Glücklicherweise gewinnt die Geschichte in ihrem Verlauf an Fahrt.

Insgesamt handelt es sich um solide Kost, die besser ausfällt als die beiden „Zwerge“-Fortsetzungen. Es gibt bereits einen zweiten Teil namens „Die Schlacht der Trolle“.

Nützliche Verweise:
Internetauftritt von Christoph Hardebusch (Leseproben, Informationen zum Autor)
„Die Trolle“ beim Verlag (Leseprobe)

(ursprünglich erschienen im Larian-Forum)

Diese Rezension ist später auch im Fandom Observer Nr. 252 erschienen (PDF).

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4 Antworten zu Menschen und Trolle

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