Die Kinderaustauscher

Mit Karl-Heinz Witzko tritt nach Bernhard Hennen ein weiterer bekannter DSA-Autor an, um eine Geschichte mit einem Fantasy-Volk in der Hauptrolle zu schreiben. Aus seiner Feder stammt bereits das großartige „Westwärts, Geschuppte!“, welches mit vielen üblichen Konventionen bricht und stattdessen Witzkos speziellen Humor enthält.

Die Kobolde“ sind keine Heldengestalten oder Kämpfer wie Orks, Zwerge, Elfen oder Trolle. Wie schon beim Schwarzen Auge werden sie schelmisch und verschmitzt geschildert. Sie spielen sich ständig Streiche und erweisen sich als äußerst bastelfreudig.

Wie bei den Marus (aufrecht gehende Krokodile!) im bereits genannten DSA-Roman wird die Welt der Menschen aus der Sicht von Fremden geschildert, denn die Kobolde wohnen in einem eigenen Reich. Hier jedoch sind die Eindringliche regelmäßige Besucher, deren typische Tätigkeit darin besteht, Kinder auszutauschen. Um zwischen den Welten zu wandern, wird eine Tür benutzt, die allerdings eines Tages abhanden kommt. Unfreiwillig gestrandet, müssen sich die Kobolde nach einer anderen Möglichkeit umsehen, in ihre Heimat zurückzukehren.

Wie bei Bernhard Hennens „Die Elfen“ dient die vordergründige Suche nur als Aufhänger. Die Protagonisten stolpern von einer Situation in die nächste. Dabei fallen die vielen Wortwitze auf. Sprachlich bewegt sich der Roman zweifellos auf dem höchsten Niveau, welches die Reihe zu bieten hat. Hier zeigt sich der Vorteil eines original auf Deutsch geschriebenen Buches.

Die Kombination aus lustiger Geschichte und guter Wortwahl ist leicht und angenehm zu lesen. Dabei rückt die eigentliche Suche in den Hintergrund. Man fragt sich stattdessen, was die Kobolde als nächstes anstellen werden.

Negativ fällt auf, dass das Ende plötzlich und sehr rasch geschildert wird. Ob hier eine Seitenbegrenzung im Weg stand? Mit nur 400 Seiten ist „Die Kobolde“ deutlich kürzer ausgefallen als andere Romane der Reihe über Fantasy-Völker. Die Auflösung wird zwar angenehm verständlich an einem Stück erzählt, aber ohne einen guten Aufhänger.

Viele Fragen werden nicht beantwortet, etwa was es mit dem König / Tyrannen / „Rot und Schwarz“ auf sich hat (letzteres erinnert an einen borbaradianischen Zauber aus Aventurien). Auch werden der Verbleib der Tür und das Schicksal der Menschen nicht geklärt, auch wenn sie an der Geschichte wesentlich beteiligt sind. Zusammen mit der Endszene deutet all das auf eine Fortsetzung hin, so dass ein schaler Beigeschmack bleibt. Insgesamt handelt es sich um ein sehr lesenswertes Buch, welches aber nicht gut zuende geführt wurde.

(ursprünglich erschienen im Larian-Forum)

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