Elfendämmerung

In „Elfenlicht“ von Bernhard Hennen geht der Krieg zwischen Elfen und Trollen, der schon in „Elfenwinter“ begonnen hatte, weiter. Dämonische Wesen wie der Devanthar (aus „Die Elfen“) und die Yingiz mischen ebenfalls wieder mit. Außerdem planen die Menschen einen Rachefeldzug gegen die Trolle, weil diese seinerzeit ihr Land verwüstet hatten.

Erfreulicherweise gibt es wieder eine Reihe von Anspielungen und inhaltlichen Verknüpfungen zu den vorangegangenen Teilen, wobei diejenigen, welche sich auf das 1. Buch beziehen, nicht immer leicht verständlich sind, insbesondere was die erwähnten Menschen betrifft. Immerhin erfährt man etwas über die Herkunft von Bruder Gundaher, womit auch die Ungereimtheit aufgelöst wird, wie in einer wikingerähnlichen Kultur so umfangreiche schriftliche Quellen entstehen können. Die Passagen in der Elfenbibliothek werden angenehm gruselig geschildert. Zudem erhält der Leser ein wenig Hintergrundwissen über den magischen Silberspiegel. Der Racheplot der Elfen erklärt außerdem, warum die Trolle ihrerseits so grausam handeln. Ferner fällt angenehm auf, dass Kobolden und anderem kleinen Volk viel Platz eingeräumt wird, während sie früher oft nur als Diener in Statistenrollen auftraten.

Leider zeigt sich an dem Buch das klassische Phänomen eines 3. Teils: Inzwischen gibt es so viele Haupt- und Nebenfiguren, dass für den einzelnen Charakter zu wenig Platz zum Erzählen übrigbleibt. Einige wichtige Personen aus dem Vorgängerroman werden aus der Geschichte geschrieben, weil sie offenbar der Handlung im Weg stehen. Der Zeitsprung von 15 Jahren wirkt zudem sehr gekünstelt. Inbesondere der zum König der Menschen aufgestiegene Alfadas kommt dadurch deutlich zu kurz. Sein Tod wird abweichend zur Legende geschildert, ohne dass wie in anderen Fällen erklärt wird, wie dieser Fehler zustande kommt. Eine äußerst dumme Erklärung muss dafür herhalten, warum sich seine Kinder nicht wissentlich begegnen. Das Verhalten von Kadlin beim Einkaufen wirkt ebenfalls unpassend. Schade, dass mit der künstlichen, beweglichen Hand wieder eine Parallele mehr zu Michael Moorcock aufkommt. Dazu stören Verwechslung von Minotaur und Kentaur an einer Stelle sowie unterschiedliche Schreibweisen von Namen (Brodgrim bzw. Brodgrimm).

Der Devanthar nervt wie immer. Warum konnte er ein Tor verändern und wie hat er das gemacht? Wieso wurde in 15 Jahren nicht seine Tarnung als Minotaur bemerkt? Die Geschichte mit den Holzpuppen ist überflüssig und unlogisch, die Idee mit den Würmern ist Quatsch und besonders das Glücksspiel ist Unsinn. Die Horror-Teile der Geschichte fallen besonders unpassend und langweilig aus.

Melwyn ist als „Wolfskind“ und Halbelf ein noch größerer Poser als es die schlimmsten Elfen sind. Es macht keinen Spaß, über seine Liebeseskapaden zu lesen.

Ärgerlich sind die vielen „Cliffhanger“, also offenen Enden von Kapitel oder Abschnitten. Der Leser wird absichtlich lange darüber im Unklaren gelassen, was mit den Beinen der schönen Elfe passiert ist, was Ollowain nach dem Hieb der Trolle geschehen ist und ob Melwyn überlebt hat.

Der Schluß des Buches wird kurz abgetan und läßt viele offenen Fragen übrig: Was wird aus der Vergeltungsforderung durch die Elfen aus der Bibliothek? Wie wird Ollowain wieder ganz der alte? Wie geht die Revolution zuende? Wie ergeht es Melwyn, Ganda und Gundaher?

„Elfenwinter“ ist eindeutig das beste der drei Elfenbücher. In „Elfenlicht“ wurde das gute Konzept durch zahlreiche Mankos wieder verwässert, so dass es derzeit den schwächsten Teil darstellt.

Bernhard Hennen hat bereits ein 4. Elfenbuch für Anfang 2009 angekündigt, welches „Elfenkönigin“ heißen wird und offenbar die offenen Handlungsfäden aufgreifen wird. Eine Erklärung, warum er das letzte Buch nicht inhaltlich sauber abschließen konnte, liefert er leider nicht. Ferner soll mit „Elfenlied“ eine Novelle um Ganda und die Blütenfee entstehen.

Außerdem gibt’s vom gleichen Autor noch eine Elfentrilogie namens „Die Elfenritter“, welche deutlich später angesiedelt ist und das Leben der letzten Königin von Firnstayn behandelt. Gishild taucht bereits in „Die Elfen“ auf. Ihre tragische Geschichte wird dort von ihr selbst in wenigen Sätzen geschildert, kurz bevor die letzte Schlacht losgeht. Der erste Teil „Die Ordensburg“ ist bereits erschienen; die Nachfolgebände „Die Albenmark“ und „Das Fjordland“ sind für Februar bzw. April 2008 angekündigt.

Nützliche Verweise:
Elfenlicht“ beim Verlag (mit Leseprobe)
Rezension zu „Die Elfen“ in diesem Blog
Rezension zu „Elfenwinter“ in diesem Blog

(ursprünglich erschienen im Larian-Forum)

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2 Antworten zu Elfendämmerung

  1. Pingback: Wer zu spät kommt, den bestraft der Leser | Kunar rezensiert

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