Trollige Fortsetzung

Nach seinem Romandebüt „Die Trolle“ hat Christoph Hardebusch – wie ja abzusehen war angesichts des Erfolges und der Verlagspolitik – eine Fortsetzung geschrieben. „Die Schlacht der Trolle“ setzt da an, wo der Vorgänger aufhörte: Die Wlachaken haben die Hälfte ihres Landes von den Masriden befreit. (Es handelt sich um verschiedene Menschenvölker.) Die Trolle, welche damals auf ihrer Seite gekämpft hatten, sind inzwischen unter die Oberfläche zurückgekehrt. Der Rebell Sten cal Dabran, welcher als Zünglein an der Waage die entscheidende Verstärkung in der Schlacht geholt hatte, hat einen Flecken Land bekommen. Entsprechend ist er noch einige Monate später damit beschäftigt, wieder aufzubauen, was durch Krieg und lange Besatzungszeit kaputt gegangen war.

Nun droht jedoch neuer Ärger an zwei Fronten: Einerseits haben die Trolle ein Problem und bitten ihrerseits die Menschen um Hilfe. Andererseits gibt es immer noch zwei Masridenherrscher, welche in Ardoly das Sagen haben. Während der eine Interesse an einem dauerhaften Frieden signalisiert und zu Verhandlungen in seine Hauptstadt einlädt, bevorzugt der andere eine kriegerische Lösung und will sämtliche Masriden und Wlachaken unter seine Vorherrschaft zwingen. Nebenbei besucht der ehemalige Spion Sargan als Abgesandter des dyrischen Imperiums das freie Wlachkis.

Man muss dem Autor zugute halten, dass er eine interessante Ausgangslage geschaffen hat. Anstatt dass bereits nach dem ersten Buch im gesamten Land Friede, Freude, Eierkuchen herrschen, ist der große Konflikt zwischen den Menschen noch lange nicht gelöst. Statt direkt den nächsten Krieg anzufangen (wobei er am ersten nicht beteiligt war), versucht ein Herrscher der Besatzer den diplomatischem Weg. Aufgrund der Handlungen seines Rivalen verlaufen die bisherigen Frontlinien plötzlich ganz anders und auf einmal müssen Menschen zusammenhalten, die bisher verfeindet waren.

Leider entwickeln sich insbesondere die neuen Charaktere genau so, wie man es von Anfang an erwartet. Dazu kommen Klischeeplots, um das Ende hinauszuzögern: Jemand wird für tot gehalten, die Helden werden unfreiwillig getrennt. Nebenfiguren, für die in der Fortsetzung kein großer Platz mehr war, werden umgehend entsorgt. Immerhin freut man sich im Gegensatz dazu darüber, wer unverhofft wieder auftaucht.

Unpassend erscheint jedoch die plötzliche Toleranz hinsichtlich der unterschiedlichen Glaubensvorstellungen der Menschen. Ich hatte in der Rezension zum ersten Band schon bemängelt, dass sich die erbitterte Feindschaft auch in den Religionen zeigt, gleichzeitig nach dem Machtwechsel entsprechende Ausschreitungen offenbar ausbleiben.

Tatsächlich werden solche Vorkommnisse nun erwähnt, nur um direkt danach aus dem Mund der Sonnenpriester, bisheriger Feinde, den Hinweis folgen zu lassen, dass die Herrscherin der Rebellen dagegen vorgegangen ist und man das zu schätzen weiß. Zugegeben, es ist schön, dass einerseits ein realistisches Element in Form von Verfolgungen eingefügt wurde. Außerdem benötigte der Autor wohl doch gewisse Anknüpfungsmöglichkeiten (besonnenes Handeln der Rebellenherrscherin), um das neue Bündnis nicht völlig undenkbar erscheinen zu lassen. Anderseits ist es etwas dick aufgetragen, dass natürlich genau unterschieden wird, wer von der Gegenseite was getan hat und dass solche guten Nachrichten hängen bleiben – anstatt dass etwa nur die schlimmsten Greueltäten berichtet werden, die sich eher einprägen, leicht ausgeschmückt werden und hervorragende Propaganda abgeben.

Die neuerlichen Entwicklungen rund um die Trolle finde ich weniger gelungen. Die Verwandlung durch eine seltsame Substanz in fast unbezwingbare Superwesen erinnert an die Orks in „Die Rache der Zwerge“. Dass ein ehemaliger Guter aus Rachegedanken ob des verlorenen Gefährten zum Hauptschurken wird, kommt ebenso in „Der Krieg der Zwerge“ vor. Sicherlich hat Markus Heitz nicht als erster diese Plotideen verwendet, es stößt nur negativ auf, sie in ähnlichen Serien in zwei Aufgüssen serviert zu bekommen.

Während „Die Trolle“ langsam anfing und sich dann steigerte, wartet „Die Schlacht der Trolle“ mit einigen interessanten Anfangsideen auf, die im Laufe des Buches immer mehr in übliche Fantasyklischeehandlung versanden. Der zweite Band ist so oder so nur zu empfehlen für Leute, die den ersten Teil gemocht haben. Immerhin bleibt er über dem dritten Zwergenbuch und wirkt nicht so überhastet wie der zweite Zwergenband.

Inzwischen gibt es übrigens eine weitere Fortsetzung namens „Der Zorn der Trolle“. Diese spielt einige Jahrzehnte später.

Nützliche Verweise:
Internetauftritt von Christoph Hardebusch (Leseproben, Informationen zum Autor)
„Die Schlacht der Trolle“ beim Verlag (Leseprobe)

(ursprünglich erschienen im Larian-Forum)

Diese Rezension ist später auch im Fandom Observer Nr. 252 erschienen (PDF).

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Eine Antwort zu Trollige Fortsetzung

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