Einfach Troll

Nach seinem Romandebüt Die Trolle und der Fortsetzung Die Schlacht der Trolle spinnt Christoph Hardebusch in Der Zorn der Trolle die Geschichte rund um das Land Wlachkis weiter. Der dritte Teil setzt etwa 20 Jahre nach den Ereignissen ein, die im Vorgänger geschildert wurden. Inzwischen gibt es ganze Reihe Nachkommen der Protagonisten von früher.

Die politischen Verhältnisse haben sich eingependelt: Die Wlachaken leben nach wie vor im Westen, während die Masriden, Nachkommen der Krieger, die das Land einst fast vollständig erobert hatten, im Osten unter einem Herrscher vereint wurden. Obschon man sich nach wie vor nicht besonders grün ist, hielt in den letzten Jahrzehnten ein brüchiger Friede, da die Obersten auf beiden Seiten der Meinung waren, dass der Erhalt des Status Quo besser war als ein erneuter Krieg. Keiner betrachtet die Lage jedoch als erstrebenswerten Dauerzustand, und so beginnt es langsam aber sicher zu gären.

Unter der Erde hat Kerr, früher ein junger und neugieriger Troll, die beiden verschiedenen Trollvölker nach vielen Gefechten mehr oder weniger gebändigt. Er fungiert als Bindeglied zwischen den Stämmen, die seine Meinung respektieren. Aber auch er wird nicht jünger und was soll werden, wenn er einst stirbt? Lassen sich die seltsam veränderten Trolle, Andas Kinder genannt, wieder in die ursprünglichen Wesen zurückverwandeln, die sie mal waren? Kann der verletzte Geist des Landes geheilt werden?

Wie schon in den beiden Büchern zuvor kreuzen sich die Wege von Trollen und Menschen. Gemeinsam wird nach der Lösung für die jeweiligen Probleme gesucht.

Wenn aus der Situation am Ende eines Buches wenig Neues herauszuholen ist und die Geschichte der Haupthelden im wesentlichen zuende erzählt ist, bietet es sich an, einen Schnitt von mehreren Jahrzehnten zu machen. Der Autor hat die damit verbundenen Möglichkeiten gut genutzt. Dabei hat er nicht nur einige Charaktere entsorgt, indem diese entweder bereits in der Vergangenheit gestorben sind oder am Anfang der Geschichte umkommen.

Die Personen der neuen Generation sind vielschichtiger angelegt: Die junge Gesandte aus dem Dyrischen Imperium ist einerseits Luxus gewohnt und entsetzt von den zurückgebliebenen Wlachaken. Andererseits ist sie ein helles Köpfchen, das Intrigen kennt ist und sich nicht so leicht unterkriegen läßt. Der eine Sohn des wlachkischen Herrschers hat jahrelang in Dyrien gelebt und einen Blick von außen auf seine Heimat erhalten, andererseits auch sehr zum Missfallen seiner Landsleute einige Bräuche und Moden von dort mitgebracht. Der andere ist in seinem Land geblieben, hat dadurch aber eine etwas eingeschränkte Sichtweise und sich von seinem Bruder entfremdet. Dazu kommt ein junger Sonnenpriester, der die Religion der masridischen Eroberer verkündet, aber sich von den Verfehlungen seiner Kollegen in der Vergangenheit lossagt. Er muss geschützt werden, da die meisten Wlachaken dem Glauben an die Naturgeister anhängen und ihn als Verräter am eigenen Volk ansehen. Während sich die ersten beiden Bücher vor allem auf den Haupthelden Sten cal Dabran und die Trolle konzentrierten, werden hier erfrischend unterschiedliche Sichtweisen geschildert: Der eine schwört auf die Trolle als Verbündete, der andere misstraut ihnen, der eine schätzt die Annehmlichkeiten des dyrischen Imperiums, der andere beschwört die einfache Lebensart des eigenen Landes.

Endlich geht die Reise über die Sorkaten hinaus und in das oft erwähnte Dyrien. Gleichzeitig versucht man in Wlachkis und Ardoly, dem von Masriden bewohnten Teil des Landes, einen Krieg zu verhindern und herauszufinden, wer für einige merkwürdige Vorkommnisse verantwortlich ist. Statt zwanzig Jahre später wie üblich die nächsten aus dem Boden gestampften Armeen gegeneinander antreten zu lassen, spielen diplomatische Missionen und Kriminalfälle eine wesentliche Rolle.

Mutig war es, den obligatorischen Entscheidungskampf, wie er gegen Ende eines Buches immer wieder auftritt, einfach wegzulassen und einige Monate später wieder einzusetzen, wenn das große Finale kommt. Hier hat offenbar die Erkenntnis gesiegt, dass aus solchen Zweikampfbeschreibungen wenig zu machen ist und nur das Ergebnis für den Fortgang der Geschichte wichtig ist. Dann ist es auch akzeptabel, wenn die dritte Erzählung mit 542 Seiten deutlich kürzer ausfällt als die beiden Vorgänger mit 767 bzw. 716 Seiten

Das Buch bietet ein versöhnliches Ende, das Raum für eine Fortsetzung läßt, aber dennoch für sich stehen kann. Hier wurde glücklicherweise darauf verzichtet, absichtlich einige wichtige Handlungsfäden nicht abzuschließen, nur damit es unbedingt noch ein viertes Buch geben muss. Ach, hätten das doch Markus Heitz bei den Zwergen und Bernhard Hennen bei den Elfen auch so gemacht!

„Der Zorn der Trolle“ läßt sich auch Kenntnis der Vorgänger lesen. Allerdings kann man dann später nicht mehr so leicht mitfiebern, falls man danach die beiden ersten Bücher lesen möchte. Auf das frühere Geschehen wird an einigen Stellen eingegangen. Wer die Vorgänger kennt, freut sich über einige nette Andeutungen.

Während der erste Teil noch eine zu einfache Aufteilung in „gut“ und „böse“ hatte und der zweite Teil über einige gute Ideen verfügte, die jedoch im Verlauf der Geschichte versandeten, ist der dritte Teil eindeutig der mit Abstand beste der drei Bände. Fantasyromanveteranen werden natürlich wenig Neues finden und können anmerken, dass man dieses Niveau auch gleich beim ersten Roman hätte erwarten können. Dennoch bleibt festzuhalten, dass es ein ganz ordentliches Buch geworden ist, das es durchaus zu lesen lohnt und welches im Vergleich zu manchem anderen Band der „Die Irgendwasse“-Reihe positiv auffällt.

Nützliche Verweise:
Internetauftritt von Christoph Hardebusch (Leseproben, Informationen zum Autor)
„Der Zorn der Trolle“ beim Verlag (Leseprobe)

(ursprünglich erschienen im Larian-Forum)

Diese Rezension ist später auch im Fandom Observer Nr. 252 erschienen (PDF).

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