Elfenschwertmeister, Trollfürst und Menschenjarl

Völlig unerwartet greifen die Trolle einen Versammlungsort der Elfen an. Dabei wird Königin Emerelle schwer verletzt und fällt in eine andauernde Bewusstlosigkeit. Wie sich herausstellt, war das nur der Auftakt zu einem Krieg, den die Trolle von langer Hand gegen die Elfen vorbereitet haben. Sie haben ein riesiges Heer aufgestellt und drohen, die gesamte Welt der Albenkinder zu erobern. Ihrer Führung beraubt, suchen die Elfen schließlich Hilfe bei den Menschen.

Elfenwinter“ von Bernhard Hennen spielt in der gleichen Welt wie „Die Elfen“, ist aber keine chronologische Fortsetzung, da das Geschehen zwischen zwei zeitlichen Abschnitten des ersten Buches erzählt wird. Diesmal gibt es glücklicherweise eine durchgehende Handlung ohne große Zeitsprünge. Der Konflikt spitzt sich tatsächlich auf eine große Schlacht zu, anstatt sich wie im ersten Band von einer Episode zur nächsten zu hangeln.

Erfreulich ist ebenfalls, wie die Geschichte aus der Sicht der drei Hauptfiguren geschildert wird. Ollowain, Schwertmeister der Königin, muss zunächst Emerelle retten und dann die Verteidigung gegen die Trolle organisieren. Alfadas, Jarl von Firnstayn, muss eine Menschenarmee gegen die Trolle ausbilden. Orgrim, ein einfacher Rudelführer, muss seine untergebenen Trolle in die Schlacht führen, aber gleichzeitig gegen Konkurrenten und Neider bestehen. Alle drei sind keine strahlenden Helden, sondern voll von Zweifeln über ihr Tun. Zudem sind sie abhängig von ihrem jeweiligen Monarchen, können also nicht frei nach Belieben handeln.

Viele Charaktere aus dem ersten Teil tauchen wieder auf. Zudem wird Handlung erzählt, welche in „Die Elfen“ nur kurz zusammengefasst wurde. Nachteil ist allerdings, dass Figuren und Geschehen aus dem Vorgänger bekannt sein müssen. Wer etwa nicht mehr weiß, wer Nomja war, wird mit dem entsprechenden Verweis nichts anfangen können.

Erfreulich, dass der Devanthar, eine Art Dämon und Hauptwidersacher, diesmal nicht vorkommt. Dafür erscheinen die bösen Yingiz, welche vorher nie erwähnt wurden. Immerhin nerven sie deutlich weniger. An den Stellen, an denen ihr Handeln nur angedeutet wird, sorgen sie für eine angenehm gruselige Stimmung.

Ein großer Pluspunkt besteht darin, dass man viel über die Trolle erfährt, insbesondere über den Grund für ihre Rache. Das wirft ein völlig neues Licht auf den Konflikt.

Dass Emerelle einen Großteil des Buches außer Gefecht ist, wurde akzeptabel umgesetzt. Meistens geht es schief, wenn Figuren aus der Geschichte geschrieben werden, weil der Autor mit ihnen nichts anfangen kann.

Unnötig erscheinen hingegen Szenen zwischen Ollowain und Lyndwyn sowie Alfadas und Asla. Sie tragen nichts zur Handlung bei und stören eher.

Das Ende wird leider recht schnell abgehakt und ist nicht in allen Punkten nachvollziehbar. So gibt es keine vernünftige Erklärung, warum sich eine mächtige Zauberin den Trollen ergibt oder warum umgekehrt ein Fürst der Trolle plötzlich einige Menschen verschont.

Insgesamt ist „Elfenwinter“ deutlich besser gelungen als „Die Elfen“, insbesondere weil die Hauptschwächen des ersten Buches beseitigt wurden. Der zweite Band über die Albenkinder gehört neben „Die Zwerge“ zu den besten Büchern der Serie über die verschiedenen Fantasyvölker.

Nützliche Verweise:
„Elfenwinter“ beim Verlag (mit Leseprobe)
Rezension zu „Die Elfen“ in diesem Blog

Auf die inhaltlichen Überschneidungen zwischen den beiden Büchern lohnt es sich detaillierter einzugehen. Wenn zwischen dem Lesen der beiden Bände zuviel Zeit verstreicht, hat man sicherlich nicht mehr jede Parallele parat.

SPOILER
Kalf und Erek kommen bereits im ersten Buch vor. Die Liebe von Alfadas zu Asla wird zumindest angedeutet. Yilvina endet später nicht im Krieg, sondern als Gefangene Orgrims.

Der dritte Trollkrieg und dessen Verlauf werden kurz im ersten Buch geschildert. Dabei erfährt man einige Dinge, die in „Elfenwinter“ selbst nicht mehr vorkommen: Alfadas erschlägt später Gornbor, einen Fürsten der Trolle. Er selbst gerät jedoch in einen Hinterhalt und wird von den Trollen getötet.

Orgrim, Herzog der Nachtzinne, hieß in einem früheren Leben Dolgrim. Er hat vor vielen Jahrhunderten Farodins Gefährtin Aileen getötet. Farodin hat deswegen ewige Rache geschworen. Dolgrim wurde inzwischen viermal von Farodin ermordet, das letzte Mal in seiner eigenen Burg im Auftrag von Emerelle. In „Elfenwinter“ wird erzählt, dass angeblich ein Fluch auf dem Herzog lastet und er immer wieder ermordet wurde. Im weiteren Verlauf der Geschichte taucht er als listiger Feind, danach sogar als Verbündeter der Elfen und Menschen auf.

Farodin ist tatsächlich ein Attentäter der Königin. Er hat unter anderem den Fürsten von Arkadien ermordet, welcher der Vater von Shahondin war. Der Mord erklärt, warum Shahondin ein Todfeind von Emerelle ist.
(SPOILER ENDE)

(ursprünglich erschienen im Larian-Forum)

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3 Antworten zu Elfenschwertmeister, Trollfürst und Menschenjarl

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